Ratgeber · Physiotherapie
ISG-Blockade lösen: Was sofort hilft – und was wir in der Praxis tun
Ein Fehltritt, eine Drehung beim Heben, und plötzlich sticht es tief im Rücken über dem Gesäß. Was hinter einer ISG-Blockade steckt, was Sie selbst tun können und wann die Hände unserer Therapeuten in Bonn gefragt sind.

Es passiert oft bei Kleinigkeiten: Sie steigen aus dem Auto, heben die Einkaufskiste mit einer Drehung an oder treten auf der Treppe daneben. Dann sticht es tief im Rücken, meist nur auf einer Seite, knapp über dem Gesäß. Das Umdrehen im Bett wird zur Aufgabe, Treppen steigen auch. Viele unserer Patientinnen und Patienten in Bonn kommen mit genau dieser Geschichte zu uns und sagen: „Da ist etwas rausgesprungen.“ Die gute Nachricht vorweg: Rausgesprungen ist nichts. Und in den meisten Fällen lässt sich das Problem gut in den Griff bekommen.
Was das ISG überhaupt ist
ISG steht für Iliosakralgelenk, auf Deutsch Kreuz-Darmbein-Gelenk. Es verbindet auf beiden Seiten das Kreuzbein mit dem Becken. Das Gelenk ist von kräftigen Bändern umgeben und bewegt sich nur wenige Millimeter. Trotzdem leistet es Schwerstarbeit: Jeder Schritt, jede Drehung des Oberkörpers läuft über diese beiden Gelenke. Werden sie gereizt oder verkrampft die Muskulatur ringsum, fühlt es sich an wie blockiert.
Genau deshalb ist der Begriff „Blockade“ unter Fachleuten umstritten. Im Röntgenbild oder MRT ist eine ISG-Blockade nicht zu sehen. Was wir in der Untersuchung finden, ist eher ein gereiztes, schmerzhaft verspanntes Gelenk, das sich auf einer Seite schlechter bewegen lässt als auf der anderen. Wie das ISG aufgebaut ist und wie die Beschwerden entstehen, haben wir in einem früheren Beitrag beschrieben: Wie entstehen ISG-Blockaden?
Typische Anzeichen
- Tiefer, meist einseitiger Schmerz unten im Rücken, oft mit einem Finger genau zu zeigen
- Schmerzen beim Aufstehen vom Stuhl, beim Treppensteigen, beim Umdrehen im Bett
- Ausstrahlung in das Gesäß oder die Rückseite des Oberschenkels, selten bis zum Knie
- Das Gefühl, dass das Becken schief steht oder etwas klemmt
Anders als bei einem Bandscheibenvorfall fehlen meist Taubheit und Kraftverlust im Bein. Wenn solche Zeichen dazukommen, gehört das in ärztliche Hände, dazu weiter unten mehr.
Was Sie sofort tun können
Der wichtigste Rat ist der unbequemste: in Bewegung bleiben. Bettruhe verlängert die Beschwerden eher. Gehen Sie, wenn es geht, in kleinen Runden spazieren, zum Beispiel am Rheinufer. Dazu drei Dinge, die vielen helfen:
- Wärme. Liegen keine Ruheschmerzen vor, kann ein Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche auf der schmerzhaften Seite die Muskulatur rund um das Gelenk lockern.
- Knie zur Brust. In Rückenlage ein Knie mit beiden Händen Richtung Brust ziehen, 20 bis 30 Sekunden halten, dann die Seite wechseln. Dreimal je Seite, ohne Schwung.
- Becken kippen. Im Vierfüßlerstand den Rücken langsam rund machen und wieder ins Hohlkreuz gehen, etwa zehnmal im Atemrhythmus. Die Bewegung ist klein, die Wirkung oft groß.
Zum Schlafen hilft vielen die Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Knien. So kippt das Becken nicht, und das Gelenk kommt zur Ruhe. Was wir nicht empfehlen: Versuche, das Gelenk mit Schwung selbst „einzurenken“. Das Ruckeln bringt kurz Erleichterung, reizt die Bänder aber oft zusätzlich.
Was wir in der Praxis tun
Bleiben die Beschwerden länger als ein paar Tage oder kommen sie regelmäßig wieder, lohnt sich ein Termin. Bei RHEIN PHYSIO beginnt die Behandlung mit einer genauen Untersuchung: Wir schauen uns an, wie Sie gehen und stehen, prüfen die Beweglichkeit beider ISG im Vergleich und führen Tests durch, die das Gelenk gezielt belasten. So lässt sich eingrenzen, ob wirklich das ISG der Auslöser ist oder etwa die Lendenwirbelsäule oder die Hüfte.
Dann kommen die Hände ins Spiel. In der Manuellen Therapie mobilisieren wir das Gelenk mit ruhigen, gezielten Griffen und lösen die Spannung der umliegenden Muskulatur. Viele spüren schon nach der ersten Behandlung, dass sich das Becken wieder gerade anfühlt. Damit es so bleibt, folgt der zweite Teil: Übungen für Gesäß, Bauch und tiefe Rückenmuskulatur. Das Becken braucht Halt von außen, sonst kippt es beim nächsten Fehltritt wieder. Die Übungen bekommen Sie von uns als Programm für zu Hause mit.
Warum wir in Bonn so viele ISG-Patienten sehen
Das ist keine Statistik, sondern unser Eindruck aus der Praxis am Rheindorfer Ufer. Bonn ist eine Stadt der Schreibtische: Ministerien, Behörden, Konzernzentralen, Homeoffice. Wer acht Stunden sitzt, hat am Abend verkürzte Hüftbeuger und eine müde Gesäßmuskulatur, und genau diese Kombination macht das ISG anfällig. Dazu kommen Rennrad und Mountainbike am Rhein und im Siebengebirge, wo ein zu niedrig eingestellter Sattel das Becken ebenfalls kippen lässt. Beides lässt sich mit kleinen Änderungen beheben, und wir sprechen das im Termin direkt an.
Wann Sie zum Arzt sollten
Bei den folgenden Zeichen bitte nicht abwarten, sondern ärztlich abklären lassen:
- Taubheit, Kribbeln oder Schwäche im Bein, vor allem wenn es schlimmer wird
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- Fieber, starker nächtlicher Ruheschmerz oder ein vorausgegangener Sturz
- Wiederkehrende ISG-Schmerzen in jungen Jahren, besonders morgens und in Ruhe: Hier sollte eine rheumatische Ursache ausgeschlossen werden
So kommen Sie zu uns
Mit einer Verordnung für Manuelle Therapie oder Krankengymnastik buchen Sie Ihren ersten Termin direkt online. Ohne Rezept untersucht Sie Philipp Schuhmann als sektoraler Heilpraktiker für Physiotherapie und verordnet die Behandlung selbst, mehr dazu auf der Seite Physiotherapie ohne Rezept. Und wenn Sie unsicher sind, ob es das ISG ist: Rufen Sie an. Ein kurzes Gespräch klärt oft schon, welcher Weg der richtige ist.
Dieser Beitrag informiert allgemein. Er ersetzt keine Untersuchung und keine Beratung durch Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Therapeutin, Ihren Therapeuten.
